Meine Diplomausstellung präsentiert den Höhepunkt meines Studiums — ein Spiegelbild der Fähigkeiten, Ideen und visuellen Erkundungen, die sich über meinen künstlerischen Weg entwickelt haben.
Meine Arbeit beschäftigt sich mit einem Thema, das sich nicht als abgeschlossene Geschichte erzählen lässt, sondern nur als Zustand beschrieben werden kann. Ausgangspunkt ist eine kontinuierliche Erfahrung von Bewegung ohne Ankunft — nicht im biografischen Sinne, sondern als aufmerksame Wahrnehmung des gegenwärtigen Moments.
Mich interessiert, wie Identität, Orientierung und Zeit sich anfühlen, wenn sie nicht mehr auf Fortschritt, ein Ziel oder klare Zugehörigkeit ausgerichtet sind. Bewegung entsteht, ohne dass etwas vollständig aufgelöst wird. Dieser Zustand prägt meine Bildräume sowie die Art, wie Figuren, Architektur und Landschaften darin erscheinen.
Meine Werke zeigen keine konkreten Orte. Stattdessen entstehen Innenräume — bildhafte Welten, die mentale, emotionale und erinnerte Landschaften zusammenführen. Diese Räume sind nicht geordnet oder stabil, sondern verschoben, geschichtet und fragmentiert. Innen und außen, Vorstellung und Realität, Vergangenheit und Gegenwart sind bewusst verflochten. Alle Bilder sind Variationen desselben Zustands: Stillness in Motion.
Auf den ersten Blick wirken die Gemälde ruhig, fast harmonisch. Doch bei näherem Hinsehen zeigt sich ihre Instabilität. Architektur führt ins Leere, Übergänge bleiben unvollständig, Vorder- und Hintergrund beginnen sich aufzulösen. Figuren und Tiere sind präsent, handeln jedoch nicht entscheidend. Sie warten, beobachten oder scheinen in ihren Nischen gefangen.
Ich betrachte diese Figuren nicht als psychologisch ausgearbeitete Charaktere, sondern als Zustände — ein strukturelles Gefühl, sowohl präsent als auch zurückgezogen zu sein. Fragmentierung ist in diesem Sinne kein persönliches Defizit, sondern eine historisch und sozial produzierte Erfahrung. In einer Welt geprägt von Mehrsprachigkeit, multiplen Zugehörigkeiten, Beschleunigung und gleichzeitiger Erschöpfung wird Identität instabil und widersprüchlich.
Ich arbeite bewusst in Öl, da dies einen langsamen, kontrollierten und kontemplativen Prozess erlaubt. Durch Lasuren und halbtransparente Schichten, sanfte Übergänge und gedämpfte, neblige Farben wecken die Gemälde Erinnerung und Traum.
Dieser malerische Prozess ist eng mit dem Inhalt verbunden. Motive tauchen auf, verschieben sich, verlieren ihre Funktion und reorganisieren sich. Instabilität wird zu einem produktiven Zustand, den ich bewusst anstrebe. Das Gemälde selbst wird zum Raum für Verhandlung.
Konzeptionell bewegen sich die Arbeiten zwischen Erzählung und Verweilen. Narrativfragmente deuten auf Rituale, Mythen, Bühnen, Übergänge oder idyllische Momente hin — doch sie formen keine lineare Geschichte. Ich überlade die Erzählung bewusst, bis sie zum Stillstand kommt. Bewegung entsteht ohne Entwicklung.
Motive wie Karussells, architektonische Schleifen oder leere Übergangsräume verkörpern diesen Zustand. Das Karussell verspricht Bewegung, erzeugt aber Wiederholung. Die Wasserrutsche verspricht Intensität, bleibt aber Potenzial. Gesten, Rituale und Strukturen suggerieren Bedeutung, liefern sie aber nicht. Zeit erscheint nicht linear, sondern geschichtet — Vergangenheit, Gegenwart und Erinnerung überlagern sich.
Ich verstehe diese visuelle Logik als Spiegel einer Gegenwart, in der Erzählungen allgegenwärtig, aber nicht mehr bindend sind. Alles wird erklärt, archiviert und erzählt — doch eine gemeinsame Richtung fehlt. Geschichte wiederholt sich, Krisen kehren zurück und Lösungen bleiben vorläufig.
Mein künstlerischer Ansatz ist bewusst ruhig und zurückhaltend. Diese Zurückhaltung ist keine Ablehnung, Stellung zu beziehen, sondern eine Form des Widerstands gegen Überproduktion, Klarheit und sofortige Lesbarkeit.
Zusammenfassend sehe ich meine Arbeit als Versuch, einen zeitgenössischen Erfahrungszustand in Malerei zu kondensieren: ein Leben dazwischen, in Schleifen, in instabilen Räumen. Die Gemälde sind Orte, an denen Stillstand und Bewegung, Nähe und Distanz, Vertrautheit und Unbehagen gleichzeitig existieren. In diesem Sinne positioniere ich meine Praxis als eine Form von Malerei, die Unsicherheit annimmt, anstatt sie aufzulösen.